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Verletzungen bei Fohlen

Im Stall, auf der Weide und vor allem beim Transport gibt es vielerlei Möglichkeiten, bei denen sich Pferde kleinere wie größere Wunden zufügen können. Erwachsene Pferde haben allerdings mehr Routine und die Verletzungsgefahr ist hier doch geringer als bei Fohlen.

Vor allem die jüngeren Fohlen sind oft noch sehr scheu und reagieren zum Teil unberechenbar und hektisch. In der heimischen Umgebung fühlen sie sich nach einigen Wochen nach der Geburt sicher und die Reaktionen im Umgang mit dem Menschen werden zu einer Selbstverständlichkeit. Doch schnell tauchen wieder neue Situationen im Leben eines Fohlens auf, an die es sich erst gewöhnen muss.

Der erste Transport kann solch ein „Jugendtrauma“ sein. Im Zeitalter der künstlichen Besamung werden die Mutterstuten nicht mehr zum Decken transportiert sondern zu Hause im Stall besamt. Doch die Fohlenschau bzw. der Brenntermin sind fast immer außer Haus und Stute und Fohlen werden zu einem Sammeltermin transportiert. Die wenigsten Transporter – Pferdeanhänger wie Pferdelastwagen – sind für den Transport von Fohlen konzipiert. So kommt es beim Verladen, beim Transport selbst und beim Abladen sehr häufig zu Verletzungen.

Kleinere Wunden mit wenig Blutungstendenz sind dabei die Wunden mit der geringsten Komplikationsneigung. Die rote Farbe des Blutes ist für uns Menschen eine Warnfarbe und wird in aller Regel überbewertet. Eine blutende Wunde spült Schmutzpartikel nach außen. Auch bei Fohlen ist der Verlust von einigen Litern Blut nicht gleich lebensbedrohend.

Schürfwunden dagegen, die fast gar nicht bluten, infizieren sich häufig durch den auf der Wundfläche haftenden Schmutz. Diese kleinen Verletzungen werden sehr häufig nicht ernst genommen, und es entstehen Infektionen oder zumindest kosmetisch unschöne Narben. Diese Narbenbildung muss bei entsprechender Versorgung nicht zwangsläufig sein. Größere und stark blutende Wunden sind spektakulär und werden in der Praxis auch entsprechend beachtet. Blutstillung als erste Hilfe und tierärztliche Versorgung sind Voraussetzung für eine schnelle Abheilung mit geringem Infektionsrisiko.

Allgemein gilt:  

  • Wunden, die vermutliche genäht werden müssen nicht mit Salben, Spray, Lösungen etc. behandeln
  • Klares, sauberes Wasserzur Wundreinigung benutzen
  • Nie die Wunde trocken säubern.
  • Eventuell einen Druck –oder Schutzverbandanlegen
  • Tetanusschutzbeachten!

Wo kann sich das Fohlen verletzen? „Erste Hilfe“ im Einzelfall

Kopfbereich

Was kann verletzt sein?

  • Knochenbrüche im Bereich des Schädels
  • Hautverletzungen mit oder ohne Behandlung
  • Zahnverletzungen
  • Augenverletzungen

Was tun?
Oft keine erste Hilfe nötig oder auch möglich

  • Eventuell Druckverband anlegen oder bei starken Blutungen nur Druck auf die Wunde ausüben
  • Nicht belasten oder bewegen
  • Blut aus dem Maul ist nur selten dramatisch. Kontrolle der Zunge und der Zähne notwendig.
  • Bei starkem Nasenbluten Eispacks auf und seitlich des Nasenrückens, mit feuchtem Handtuch entsprechende Nüster abdecken
  • Bei Verletzungen des Auges mit Beteiligung der Hornhaut, schnellstmöglich tierärztliche Versorgung – keine Salben einbringen
  • Bei Augenverletzung das Pferd wenn möglich abgedunkelt und zugfrei aufstallen

Rumpfbereich

Was kann verletzt sein?
->  Meistens Verletzungen von Weichteilen

Was tun?
Im Sommer Wunden mit Gaze oder sauberem Textil abdecken

  • Bei starken Blutungen steht die Blutstillung im Vordergrund, Druckausübung mit sterilen Mullkompressen wenn zur Verfügung. Jeglicher Art von sauberen Textilien ebenfalls als Tamponade nutzbar.
  • Anlegen von Druckverbänden meistens nicht möglich
  • Bei Verletzung der Rippen und Einströmen von Luft in den Brustkorb Loch abdecken
  • (möglichst steril – zumindest sauber)

Verletzung 1

Eine Wunde am Rumpf des Fohlens sieht häufig dramatisch aus, verheilt bei entsprechender Versorgung relativ schnell.

Gliedmaßen

Was kann verletzt sein?

  • Mehr oder weniger starker Substanzverlust von Haut und/oder anderen Weichteilen
  • (Muskeln, Sehnen, Bänder)
  • Knochenbruch
  • Massive Blutungen
  • Lahmheit unterschiedlichen Grades
  • Bei massiven Schmerzen Kreislaufprobleme, starke Unruhe, oft unberechenbare Reaktionen der Pferde

Verletzung 2Schürfwunden mit klarem Wasser säubern. Achtung nie trocken abwischen!

Was tun?

  • Ruhe !!
  • Druckverband, Blutstillung geht vor Sterilität (Vorsicht! Verband gut polstern da bei Pferden
  • und speziell bei Fohlen sehr schnell Gewebsverluste durch zu starken Druck entstehen)
  • Eventuell Wunde oberhalb abbinden, bei Frakturverdacht möglichst nicht mehr bewegen
  • warm halten
  • Schutz -bzw. Stützverband
  • je nach Schweregrad der Verletzung Transport nach Hause oder in Tierklinik
  • Verletzungen in Gelenknähe, Sehnen- oder Sehnenscheidenbereich immer schnellstmöglich tierärztlich versorgen lassen
  • immer mit unberechenbaren Reaktionen der Pferde rechnen!

Verletzung 3Bei Verletzungen in Gelenknähe / Sehnenscheide ist Vorsicht geboten!

Dringend Tierarzt rufen!

Erste Hilfe kann nur dann effektiv geleistet werden, wenn eine entsprechende Notfallapotheke zur Verfügung steht.

Was gehört in eine Notfallapotheke:

  1. Antiseptische Wundlösung
  2. Aluminium – Spray
  3. Wundsalbe
  4. Augensalbe mild, ohne Cortison
  5. Verbandswatte
  6. Elastische Binden
  7. Mullbinden
  8. Stauschlauch
  9. Gazetupfer
  10. Schere
  11. Thermometer
  12. Kühlkompresse

Die erste Hilfe ersetzt die tierärztliche Tätigkeit nur in Einzelfällen. Doch eine gute Erstversorgung verhindert häufig Komplikationen bei der Abheilung. Neben der Abheilung darf der kosmetische Effekt nicht vergessen werden. Eine große Narbe ist bei der heutigen Situation auf dem Pferdemarkt sehr oft schon ein Kaufverhinderungsgrund. Mit Verletzungen sollte ruhig und überlegt umgegangen werden. Meistens sind zuerst dramatisch aussehende Wunden nach Säuberung und Versorgung nur noch halb so schlimm.

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